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Mittwoch, 13 Mai 2015 11:53

Wieso Hafer?

geschrieben von  Redaktion
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Pferdefütterung mit Hafer Pferdefütterung mit Hafer fotolia
Der Organismus des Pferdes ist auf hartes langstieliges nicht zu energiereiches Gras, auf Blätter, Büsche oder Sträucher ausgelegt. Der Magen-Darm-Trakt des Pferdes benötigt aus diesem Grunde eine dauerhafte Nahrungszufuhr, da vom Magen ständig Magensäure produziert wird, die durch die Futteraufnahme gepuffert wird. Gleichzeitig kann das Pferd seine Kauschläge befriedigen.
Pferde haben kein natürliches Sättigungsgefühl, wie wir das als Mensch kennen. Die Unterbrechung des Fressens wird durch den Magendruck und die Befriedigung der Anzahl der nötigen Kauschläge geregelt. Diese wirken sich wiederum positiv auf die Psyche des Tieres aus. Fresspausen von mehr als vier Stunden führen dazu, dass die Magensäure die Magenschleimhaut angreift und es zu Reizungen, Entzündungen und Geschwüren kommen kann. Des Weiteren können Durchfälle und Koliken entstehen.

Es ist besonders wichtig, dass Pferde rund um die Uhr Heu oder Gras zu sich nehmen können. Die Rohfaser wird vom Organismus benötigt und am besten verwertet, ein Portionieren des Heus ist daher nicht sehr sinnvoll. Immer vorausgesetzt, das Pferd ist gesund und es wurde vom Tierarzt nichts anderes verordnet.


Kraftfutter-Vergabe
Ein Freizeitpferd, das nicht im Leistungssport eingesetzt wird und etwa 1 - 2 Stunden täglich bewegt wird, benötigt in der Regel kein Kraftfutter. Es deckt den Energiebedarf durch ausreichend Raufaser in Form von Gras und Heu. Sollten die Wiesen jedoch sehr energiereich sein, wäre das Portionieren des Grases sinnvoll.

Der Pferdeorganismus ist nicht auf Getreidefütterung ausgelegt. Das fängt bereits bei den Zähnen an. Sie mahlen das Gras bzw. Heu, während sie die Körner des Kraftfutters nur auf der Zahnreihe „balancieren“. Dies dient nicht der „korrekten“ Abnutzung der Pferdezähne. Zusätzlich wird Getreide nicht ausreichend eingespeichelt, welches aber zur Pufferung der Magensäure äußerst wichtig ist. Im Magen-Darm-Trakt geht der schwierige Weg des Getreides weiter. Getreide enthält, bis auf Hafer, Klebereiweiße, welche die Magenschleimhaut verkleben und wiederum zu Problemen führen können. Getreide kann vom Körper eines Pferdes nicht vollständig aufgeschlüsselt werden und belastet somit den Magen-Darm-Trakt. Die im Müsli enthaltende Melasse und sonstige Zusatzstoffe, wie Apfeltrester, Haferschälkleie usw. sind unnötig und auf Dauer gesundheitsschädlich, da sie nicht in den Verdauungstrakt gehören.

Man benötigt kein Kraftfutter, um ein Pferd „rund zu füttern“, da es wieder vermehrt Energie braucht, um das Futter zu verwerten. Die Zunahme des Pferdes erfolgt eher durch die Zuführung von Stärke (Zucker), die als überhöhte Energie in Fett umgewandelt wird. Eine nicht artgerechte Fütterung kann zu Verhaltensauffälligkeiten führen, die durch Überfütterung, eine mineralisierte Unterversorgung oder einer ungesunden Fütterung hervorgerufen werden können. Koppen, Holz-Nagen, Kot fressen (Koprophagie) sind nur einige Beispiele. Falsches Futter kann zu Koliken oder Durchfall führen. Flehmen nach dem Fressen, Leerkauen oder Wälzen, können Schmerzen sowie ein Unwohlsein des Pferdes indizieren.

Weitere Informationen zu diesem Thema findet Ihr bei Nadine Petry, Pferdeverhaltenstherapie und Naturheilkunde für Pferde unter www.pferdetherapie-petry.de


Ist der Hafer doch besser als sein Ruf?
Vorurteile, Unwissenheit und pauschale Aussagen umgeben heutzutage dieses Thema. Wohlduftendes „Müsli ohne Hafer“ ist der Hit geworden. Wie haben die Menschen über Jahrhunderte ihre Vierbeiner bloß durchgebracht? Warum treten heute vermehrt Allergien und andere Wohlstandserkrankungen bei den Pferden auf? Es wurde wissenschaftlich mehrfach erwiesen, das gerade Hafer bis jetzt noch das am besten verdauliche Getreide für Pferde ist, sofern die Qualität stimmt und es keine Verunreinigungen vorliegen. Hafer muss trocken geerntet werden und mindestens 12 Wochen lagern und trocknen, bevor er verfüttert werden kann. Sollte dies nicht beachtet werden, kann es zu massiven gesundheitlichen Störungen führen wie Stoffwechselerkrankungen, Hufrehfälle, Koliken, Hauterkrankungen und vieles mehr. Hafer kann ohne Probleme 1 Jahr gelagert werden, sofern er trocken, dunkel, kühl und luftig verstaut wird.

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Vorteile von Hafer:

♦ Der Hafer, als eine der Getreidearten, wird vom Pferd am besten verdaut.
♦ Hafer muss normalerweise nicht gequetscht, gepoppt oder geschrotet werden, wie dies bei Mais oder Gerste notwendig ist, um vom Pferd optimal verdaut werden zu können. Unbehandelt könnten diese Hufrehe auslösen.
♦ Hafer enthält Schleimstoffe, die die Verdauung begünstigen.
♦ Hafer enthält ungesättigte Fettsäuren.
♦ Hafer enthält sehr gutes Eiweiß und weist nicht mehr oder weniger Eiweiß auf, wie z. B. Gerste.
♦ Die Haferspelzen regen zum Kauen an.
♦ Hafer enthält keine Klebereiweiße, wie Weizen, Dinkel oder Roggen, die zu Verkleisterung des Magens führen können.
♦ Hafer ist ein ehrliches Fütterungsprodukt und gleichzeitig kostengünstig.

Eiweißüberschuss durch Hafer?
Ein weitverbreitetes Vorurteil ist der angeblich sehr hohe Eiweißgehalt von Hafer, dabei enthält Hafer nicht mehr oder weniger Eiweiß als Gerste. Hafer enthält im Vergleich zum Mais und Gerste jedoch einen wesentlich höheren Gehalt an essenziellen Aminosäuren, wie die Aminosäure Lysin. Essenziellen Aminosäuren können vom Körper nicht selbst produziert werden, sondern müssen über die Nahrungsaufnahme zugeführt werden. Sie sind für sämtliche Körperzellen im Organismus. Pferde ohne Hafer zu füttern, weil man Eiweiß fürchtet, ist also unbegründet.

Die meisten Freizeitpferde erhalten nur geringe Mengen an Kraftfutter und dann oft ein eiweißreduziertes Fertigfutter, um angeblich Eiweißüberschüsse zu vermeiden. Dies ist unsinnig. 0,5 bis 1 kg „eiweißreduziertes Müsli“ mit z.B. 75 Gramm verdaulichem Rohprotein bringen hinsichtlich der gleichen Menge an Hafer mit 85 Gramm verdaulichem Rohprotein kaum Unterschiede, wenn man die gesamte Tageszufuhr an verdaulichem Rohprotein betrachtet. Diese sollte bei einem Freizeitpferd (500 kg) mit leichter Arbeit bei ca. 320 bis 400 g verdaulichem Rohprotein liegen. Im Normalfall können Freizeitpferde ihren Grundbedarf und mit leichter Arbeitsleistung ihren Eiweiß- und Energiebedarf über gutes Heu in ausreichender Menge (ca. 6 bis 8 kg pro Tag) decken. Die Fütterung von Hafer oder Fertigfutter ist für diese Pferde normalerweise nicht notwendig. Die Zugabe eines passenden Mineralfutters wäre eine sinnvolle Ergänzung zum Futter.

Muss Quetschhafer sein?
Hafer kann vom Pferd sehr gut verdaut werden, sodass Quetschen des Hafers nicht notwendig ist. Quetschen wird nur notwendig, wenn Pferde nicht richtig kauen können. Dies kommt bei Zahnproblemen oder auch bei älteren Pferden vor.
Bei Fohlen und Jungpferden bis ca. 3,5 Jahren ist außerdem das Quetschen von Hafer notwendig. Aufgrund der geringen Haltbarkeit von Quetschhafer sollte dieser noch am gleichen Tag des Quetschens verfüttert werden, spätestens jedoch am 3. Tag nach dem Quetschen.

Haferqualität prüfen
Für den Gehalt an Energie und Eiweiß gilt Folgendes:
Je Größe und dicker das Haferkorn ist, desto höher ist der Energiegehalt bei reduziertem Eiweiß- und Rohfasergehalt. Je länglicher und schmaler das Haferkorn ist, umso mehr Eiweiß und Rohfaser enthält der Hafer. Guter Hafer sollte mindestens ein Litergewicht von über 550 g haben. Litergewichte von unter 450 g lassen auf eine ungenügende Haferqualität schließen (flache Körner mit weniger Nährstoffen). Das Litergewicht von Quetschhafer wird mit ungefähr 30 % weniger eingestuft, als von ganzem Hafer. Hygienische Qualität am besten mit den eigenen Sinnen beurteilen.

Hafer genau anschauen: Hafer sollte je nach Sorte gelb, weiß oder schwarz sein. In Deutschland sind gelbe Hafersorten am häufigsten zu finden. Bei diesen können Farbveränderungen leicht erkannt werden. Graue sowie bräunliche Stellen außen am Haferkorn bedeuten Schimmelbefall. Es lohnt sich auch mal, das Haferkorn von innen zu betrachten. Dort können sich auch schimmlige Stellen befinden, erkennbar durch graue bis bläuliche Verfärbung des normalerweise weißen Mehlkörpers. Unreife Körner sind grünlich.
Geruch: Wenn der Hafer ranzig, säuerlich oder muffig riecht, ist die Qualität nicht in Ordnung und lässt ebenfalls auf Schimmel schließen.
Probiere den Geschmack: Hafer ohne Qualitätsmängel schmeckt nussig und süßlich.
♦ Verwende stets nur gereinigten Hafer und achte darauf, dass sich keine Verschmutzungen, wie Erde oder Milben im Hafer befinden. Auch Mutterkorn und Unkrautsamen haben nichts im Hafer zu suchen und können zu gesundheitlichen Risiken führen. Analysen auf Keimbefall geben definitive Auskunft und können bei jeder landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt (VDLUFA) durchgeführt werden.

(Dr. Heike Maroske, www.futtercheck.de). Weitere Informationen zu diesem Thema findet Ihr unter www.pferdetherapie-petry.de

 

Letzte Änderung am Freitag, 15 Mai 2015 09:55
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