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Dienstag, 04 Februar 2014 13:38

Eine Empfehlung für die Entwurmung

geschrieben von  Redaktion
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In der heutigen Zeit, in der immer mehr Pferde auf engen Raum gehalten werden, sollte man einiges bei der Entwurmung des Pferdes beachten. In einem früheren Artikel "Parasiten - Kampf gegen mikroskopische Giganten" in dieser Kategorie haben wir bereits auf die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover aufmerksam gemacht, an der man den Kot seines Pferdes auf Parasiten kontrollieren lassen kann. Besonders für ältere Pferde ist dies ratsam, da jede Entwurmung auch den Körper eines Pferdes belastet. In jedem Fall ist ein jährlicher Entwurmungsplan ratsam.

Frühjahrskur im April / Mai:
Auf jeden Fall 3 Tage, bevor die Pferde auf die Weide kommen.

Folgende Wirkstoffe können eingesetzt werden:
Benzimidazol (steckt zum Beispiel in Panacur, Telmin, Rintal) oder Pyrantel (zum Beispiel in Jernadex, Verminal, Banminth, Equiworm P) oder Ivermectin (zum Beispiel in Ivomec, Eqvalan, Furexel, Eraquell) oder Moxidectin (steckt nur in Equest).

Weil es gegen Benzimidazol häufig Resistenzen gibt, zur Kontrolle unbedingt Kotprobe vor der 1. Wurmkur und 2 bis 3 Wochen nach der 1. Wurmkur nehmen und diese untersuchen lassen. Es reicht, die Kotprobe, je nach Bestandsgröße, von zwei bis vier Pferden pro Herde zu nehmen.


Sommerkur im Juni / Juli:
Auf jeden Fall 4 bis 6 Wochen nachdem die Pferde auf die Weide kamen. Bei feucht-warmem Wetter eher früher, bei trocken-kaltem Wetter eher später entwurmen. Jetzt musst Du auch gegen Bandwürmer entwurmen.

Folgende Wirkstoffe können eingesetzt werden:
Möglichkeit 1: Du nimmst denselben Wirkstoff wie bei der 1. Wurmkur (also Benzimidazol, Pyrantel, Ivermectin oder Moxidectin). Zusätzlich verabreichst Du den Wirkstoff Praziquantel gegen Bandwürmer. Praziquantel steckt in dem Mittel Droncit Gel.
Möglichkeit 2: Du verwendest die kombinierten Wirkstoffe Ivermectin/ Praziquantel. Diese stecken im Mittel Equimax und helfen gegen alle Würmer inklusive Bandwürmer. Möglichkeit 2 darfst Du jedoch nicht wählen, wenn Du bei der Frühjahrskur bereits mit den Wirkstoffen Benzimidazol (Febendazol) oder Pyrantel entwurmt hast. Sonst funktioniert das Rotationsprinzip nicht.


Herbstkur September / Oktober:
Auf jeden Fall sofort nach der Rückkehr in den Stall oder auf das Winterpaddock. Du solltest auch jetzt wieder gegen Bandwürmer entwurmen. Deshalb folgt die Herbstkur demselben Schema wie die Sommerkur.

Folgende Wirkstoffe können eingesetzt werden:
Möglichkeit 1: Denselben Wirkstoff verwenden wie bei der Sommerkur (also Benzimidazol, Pyrantel, Ivermectin oder Moxidectin). Zusätzlich Praziquantel gegen Bandwürmer verabreichen (also Droncit Gel).
Möglichkeit 2: Du verabreichst die Kombination Ivermectin/Praziquantel (in Equimax) gegen alle Würmer inklusive Bandwürmer. Möglichkeit 2 darfst Du jedoch nicht wählen, wenn Du bei der Frühjahrskur bereits mit den Wirkstoffen Benzimidazol oder Pyrantel entwurmt hast. Sonst funktioniert das Rotationsprinzip nicht.


Winterkur (gegen Dassellarven) Oktober/November oder Anfang Dezember:
Der genaue Zeitpunkt richtet sich nach dem Wetter. War der Sommer warm und trocken (= schnelle Dassel-Entwicklung), schon im Oktober/November entwurmen. Bei verregnetem Sommer und trockenem Herbst entwickeln sich die Dasseln unterschiedlich schnell. Dann kannst Du später entwurmen, spätestens aber Anfang Dezember. Sonst entwickeln sich zu viele Dasseln im Pferd.

Folgende Wirkstoffe können eingesetzt werden:
Wahlweise Ivermectin (steckt zum Beispiel in Ivomec, Eqvalan, Furexel oder Eraquell) oder Moxidectin (steckt nur in Equest).



Wechsel der Wirkstoffe:
Experten raten zum steten Wechsel dieser Wirkstoffe, damit sich die Würmer nicht an ein spezielles Gift gewöhnen. Das bedeutet, dass man jedes Jahr ein anderes Medikament nach dem sogenannten Rotationsprinzip nehmen muss. Der Wechsel wird freilich zur Farce, wenn die Alternativen immer spärlicher werden. Dieser Ernstfall ist eingetreten, wie die Studie der Tierärztlichen Hochschule Hannover zeigte. Drei von vier Pferden hatten Würmer, an denen der Wirkstoff Benzimidazol wirkungslos abprallte. Damit war klar, dass nur noch zwei der drei Wurmkur-Wirkstoffe hundertprozentig wirken. Gleichzeitig dämmert es den Experten, dass alles Rotieren in den letzten Jahrzehnten ziemlich für die Katz war. „Eigentlich können wir mit der Resistenz-Forschung wieder von vorne anfangen“, schimpfte Dr. Christian Epe, Chef im Hannoveraner Parasitologie-Labor. Er ahnt, dass es bessere Strategien gegen Resistenzen gäbe. „Am besten wäre es, Pferden gleichzeitig zwei Wurmkuren an einem Termin zu geben, zum Beispiel Rintal und Ivomec gleichzeitig, und zwar von jedem Mittel die volle Dosis.“ Diese Doppelportion verhindert bei Schafen, dass Würmer resistent werden, so Epe. Das weiß man schon seit Jahren. „Aber an Pferden ist es leider immer noch nicht untersucht und solange müssen wir eben weiter rotieren.“ Das Problem der Resistenzen ist nicht neu, wird aber mit jeder falsch verabreichten Wurmkur schlimmer. Schon in den 50er Jahren beobachteten amerikanische Forscher, dass kleine Strongyliden (diese häufigste Wurm-Art erwachsener Pferde löst blutige Durchfälle aus) nicht mehr auf Wurmkuren mit dem Wirkstoff Benzimidazol reagierten. Die Hannoveraner Forscher untersuchten 1.383 Pferde in Niedersachsen. Davon hatten rund 40% Würmer, von denen wiederum 73% gegen Benzimidazol resistent waren

Lösen lässt sich dieses Problem nur so:
Erstens müssen Pferde vor und nach jeder Wurmkur mit Benzimidazol eine Kotprobe abliefern, um zu prüfen, ob die Kur tatsächlich geholfen hat. Falls nicht, liegt eine Resistenz vor, und alle Pferde im Stall brauchen ein anderes Medikament.
Zweitens müssen sich die Termine für die Wurmkur an der Entwicklung der Parasiten vom Ei zum Wurm orientieren.
Drittens dürfen Wurmkuren auf keinen Fall zu knapp dosiert werden, wie es in den meisten Ställen passiert. „Unterdosierung ist der Hauptgrund für Resistenzen ", sagt Professor Arwid Daugschies, Leiter des Instituts für Veterinärparasitologie der Universität Leipzig.


Die drei wichtigsten Entwurmungsregeln:
Alle Pferde eines Stalls immer gleichzeitig entwurmen.
Jedes Jahr die Wirkstoffe der 1. bis 3. Wurmkur wechseln, um Resistenzen zu vermeiden. Beispiel: Du gibst im 1. Jahr Benzimidazol (falls die Wirksamkeit per Kotprobe erwiesen ist, also keine Resistenzen bestehen = Febendazol). Dann verwendest Du im 2. Jahr Pyrantel, im 3. Jahr Ivermectin oder Moxidectin (diese gehören zur selben Wirkstoffgruppe und können deshalb nicht im Wechsel angewandt werden). Im 4. Jahr beginnst Du wieder von vorn. Warte nach der Wurmkur ein bis drei Tage, bis Du die Pferde wieder auf die Weide stellst, um deren erneuten Befall mit Wurmeiern zu vermindern.
Tausche die Streu nach der Entwurmung komplett aus. Je sorgfältiger Du die Box oder das Paddock reinigst und die Weide abäpfelst, desto geringer ist der Wurmdruck.


Die Extrakuren:
Pferde mit starkem Bandwurm-Befall:
1 Jahr lang alle 8 Wochen speziell entwurmen. Entweder mit Droncit Gel (Wirkstoff Praziquantel) oder, falls der Termin mit der allgemeinen Wurmkur zusammenfällt, mit Equimax (Wirkstoffe: Praziquantel/Ivermectin). Das schadet dem Pferd nicht. Es ist der einzige Weg, Bandwürmer zu bekämpfen.

Pferde mit starkem Dasselfliegen-Befall:
Sie brauchen zusätzlich zur Winterkur eine spezielle 5. Dasselkur. Anfang Dezember, und zwar mit Wurmmitteln, die Ivermectin oder Moxidectin enthalten. In Ställen mit häufigem Pferdewechsel oder schlechter Hygiene (Weiden werden gar nicht oder nur einmal pro Woche abgeäpfelt) solltest Du eine 5. Kur vorsehen. Diese Zusatzkur gibst Du im August nach demselben Schema wie die Sommerkur.

Letzte Änderung am Freitag, 04 April 2014 09:17
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