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Sonntag, 02 Februar 2014 18:41

Die Herpesviren, ein Schrecken für jeden Pferdebesitzer

geschrieben von  Redaktion
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Die Herpesviren versetzen wohl jeden Pferdebesitzer in Angst und Schrecken, doch worauf sollte man achten, wie kann man das Risiko einschränken. Wir haben einen Auszug zu diesem Thema für Euch zusammengestellt, der detailliert nachgelesen werden kann. Erster wichtiger Punkt! Wenn Du selbst Herpes hast, kannst Du Dein Pferd anstecken!
Es gibt verschiedene Herpeserkrankungen bei Pferden.

Die Infektionen mit Herpesviren treten weltweit bei Equiden auf und führen zu ansteckenden Erkrankungen. In Deutschland lässt sich aufgrund serologischer Untersuchungen sagen, dass 70-80% der Pferdepopulation bis zum Ende des dritten Lebensjahres mit diesem Virus Kontakt hatte.

Durch Tröpfcheninfektion wird das Virus durch die Atemwege aufgenommen und später über Sekrete der Atemwege, wie Husten oder Nasenausfluss ausgeschieden. Nach überstandener Infektion und Erkrankung wird das Virus nicht vom körpereigenen Abwehrsystem vollständig eliminiert, sondern bleibt als Erreger lebenslang im Körper des Pferdes. Es bleibt Virusträger und Virusausscheider.

Bei einer Schwächung des Immunsystems des betroffenen Tieres durch Stress beispielsweise in Form von Transport, Stallwechsel, Turnierstart, Absetzen des Fohlens, Operation oder anderer Erkrankung wird das ruhende Virus erneut aktiviert, freigesetzt und ausgeschieden. Die Pferde selbst weisen bei der Aktivierung des Virus nicht immer klinische Symptome auf, stellen jedoch eine Infektionsquelle für andere Pferde dar.

Zusammenfassend bestehen somit zwei Gefahren für das Auftreten der Erkrankung: Eine Tröpfcheninfektion von Pferd zu Pferd oder eine Aktivierung des im Körper des Pferdes zurückgezogenen, ruhenden Virus.

Die Herpesinfektionen werden durch verschiedene Herpesviren ausgelöst. Die Nummerierung der Herpesviren erfolgte in der Reihenfolge ihrer Entdeckung. Es werden 8 Herpesviren beschrieben, dabei kommen die equinen Herpesviren der Typen EHV-1, -2, -3 und -4 bei Pferden und EHV-5 bis EHV-8 in der Regel nur bei Eseln vor.

Die verschiedenen Herpesviren können unterschiedliche Organsysteme betreffen und führen somit zu verschiedenen Krankheitssymptomen. Es treten Entzündungen der Atemwege, Spätabort, Paretisch-paralytische Verlaufsform, Keratokonjunktivitis und equines Herpesexanthem auf.

Entzündung der Atemwege:
Zu respiratorischen Erkrankungen kommt es meist nur bei Jungtieren oder geschwächten Tieren durch Tröpfcheninfektion. Es sind in der Regel zunächst die oberen Atemwege betroffen, aber auch Manifestation im Bereich der Bronchien sind nicht selten. Die Entzündung der Atemwege wird durch Infektionen des Equinen Herpesvirus 1 und 4 ausgelöst. Bei Erkrankungen der oberen Luftwege spielt vor allem bei Fohlen auch das equine Herpes Virus 2 eine Rolle. Die klinischen Symptome reichen von inapparenten Fällen über subklinische Verläufe bis zu hochgradigen Zuständen.

Symptome:
Die Inkubationszeit beträgt 2-10 Tage. Erstes Symptom einer Herpeserkrankung ist meist Fieber bis über 39°C. Während der ca. 1 -7 Tage andauernde Fieberphase fallen Mattigkeit und verringerter Appetit auf. Die Mandibularlymphknoten sind umfangsvermehrt und druckempfindlich. Kurz nach dem Auftreten des Fiebers folgen Nasen- und Augenausfluss begleitet von zeitweisem Husten. Unter sehr guten Haltungsbedingungen und ohne das Auftreten von Komplikationen beispielsweise in Form von bakteriellen Sekundärinfektionen oder viralen Mischinfektionen können die Symptome nach etwa zwei Wochen abklingen. Bei bakteriellen Sekundärinfektionen oder Ausbreitung des Krankheitsgeschehens auf die Bronchien kann die Erkrankungsdauer bis zu fünf Wochen betragen.

Spätabort:
Der Virusabort der Stuten durch EHV-1 tritt in der Spätträchtigkeit zwischen dem siebten und elften Trächtigkeitsmonat auf. Die Aborte können einzeln auftreten oder mehrere Stuten eines Bestandes betreffen. Die Stute zeigt dabei in der Regel keine Krankheitssymptome. Es treten normalerweise keine Vorzeichen auf und der Abort verläuft sehr schnell. Der Virus befällt die Schleimhäute der Gebärmutter und Plazenta, die Plazenta löst sich von der Uteruswand, sodass die Nährstoffversorgung des ungeborenen Fohlens unterbrochen wird, und es abstirbt. Neben dem Abort kann es infolge von Herpesinfektionen mit EHV-1 auch zur Geburt toter oder lebensschwacher Fohlen kommen, die dann meist innerhalb der ersten Lebenstage aufgrund einer virusbedingten Pneumonie oder Ausfälle anderer Organe, wie Leber oder Niere verenden.

Paretisch- paralytische Verlaufsform (Lähmungen, "Parese-Paralyse-Syndrom"):
EHV-1 Infektionen können auch zu neurologischen Erkrankungen führen. Pferde jeden Alters können betroffen sein. In der Regel wird ein perakuter oder akuter Verlauf beobachtet. Die Erkrankung geht also nur über wenige Tage. Nach einem initialen Fieberanstieg auf bis über 40°C treten oft zunächst respiratorische Symptome in Form von Nasen-, Augenausfluss und Husten auf. Das Bewusstsein ist ungestört. Fast zeitgleich versetzt sind Bewegungsstörungen der Hinterhand zu beobachten. Es kommt zu Blutungen in der Nervensubstanz des Rückenmarks. Es kommt zu Koordinationsstörungen der Hinterhand, zu Sensibilitätsstörungen, zur reduzierten Schweifspannung (sog. „Lämmerschwanz"), zu Bewegungsunwillen, zu einer hundesitzigen Stellung bis hin zu Bewegungsunfähigkeit, Festliegen und Tod des betroffenen Pferdes kommen. Je nachdem, in welchen Bereichen die Blutungen in das Nervengewebe dringen, stellen sich außerdem Lähmungen von Penis, Anus oder Blase ein.

Das Equine Herpesvirus 2 kann zur Entzündung der Bindehaut und Hornhaut des Auges (sog. Keratokonjunktivitis) führen, das Equine Herpesvirus 3 löst eine Genitalinfektion aus. Die Übertragung erfolgt über den Deckakt. Symptome sind gerötete, vermehrt durchblutete Scheidenschleimhaut, stecknadelkopf- bis erbsengroße Bläschen, Pusteln oder Erosionen des Scheidenvorhofs bzw. des Penis oder der Vorhaut.

Wegen der Vollständigkeit werden alle Formen kurz angeschnitten, der Schwerpunkt wurde jedoch auf die Drei zuerst genannten gelegt, auf die sich auch die nachfolgenden Abschnitte beziehen.

Quarantäne:
Aufgrund der Tröpfcheninfektion und der horizontalen Übertragung des Virus von Pferd zu Pferd muss bei Verdacht auf Herpes das betroffene Pferd oder der entsprechende Stalltrakt sofort isoliert werden. Wenn es der Personalschlüssel zulässt, ist es empfehlenswert, dass die Personen, die die isolierten Pferde versorgen, nicht die Stallungen mit gesunden Tieren betreten. Hygienemaßnahmen sind unbedingt einzuhalten, um die Gefahr der Verbreitung des Erregers zu minimieren. Es sollte daher Schutzkleidung beim Umgang mit erkrankten oder verdächtigen Tieren getragen werden, nach dem Verlassen der Tiere sollten die Hände gewaschen u. desinfiziert werden. Ein Wechseln der Schuhe oder Desinfizieren ist anzuraten. Arbeitsgeräte im Umgang mit den isolierten Pferden sollten im entsprechenden Stalltrakt verbleiben. Die Quarantäne bleit bis drei Wochen nach dem Auftreten der letzten Krankheitssymptome bestehen. Der Isolationsbereich sollte anschließend gründlich gereinigt und desinfiziert werden, da sich das Virus auch außerhalb seines Wirtes ansteckungsfähig bleibt und mehrere Monate nachweisbar ist. Die Reinigung und Desinfektion von Putzzeug und Arbeitsgeräten ist anzuraten.

Therapie:
Eine spezifische antivirale Therapie, bei der das Virus selbst „bekämpft" wird, gibt bei Herpeserkrankungen nicht. Somit können die betroffenen Pferde nur symptomatisch therapiert werden. Im Vordergrund der Behandlung steht die Unterstützung des körpereigenen Abwehrsystems. Somit ist eine gute Haltung und Fütterung sowie Schonung der betroffenen und verdächtigen Patienten von großer Wichtigkeit.

Sinnvoll ist es, erst eine bakterielle Untersuchung durchzuführen, um den vorhandenen Keim zu isolieren und mithilfe eines Antibiogramms ein Antibiotikum auszuwählen, für das das aufgetretene Bakterium sensibel ist. Eine „Notimpfung" ist kritisch zu sehen, da sie bei vorhandenen Symptomen zur Verschlechterung des Krankheitsgeschehens führen kann.

Prophylaxe:
Das Allgemeinbefinden des Pferdes soll durch eine gute Haltung und Fütterung gefördert werden, da Stress eine wichtige Rolle bei der Erkrankung mit Herpesviren spielt. Dazu gehören beispielsweise das Unterlassen unnötiger Transporte und ein, der Konstitution des Pferdes angepasstes Training. Das Immunsystem sollte außerdem gestärkt werden. Sollten neue Tiere eingestallt werden, sind diese zunächst unter Quarantäne zu stellen, um sicherzustellen, dass keine Krankheitssymptome auftreten. Ställe, in denen erkrankte Pferde aufgetreten sind, sind zu meiden, um eine direkte oder indirekte Verbreitung des Erregers zu vermeiden.


Weitere Detailinformationen findet Ihr unter diesem Link, der auch als Quelle zu diesem Thema diente.
Letzte Änderung am Sonntag, 02 Februar 2014 19:49
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